Auf der Suche nach sich selbst
Fast jeder Mensch stellt sich in seinem Leben mindestens einmal die Frage: „Wer bin ich eigentlich?“ Das kann in ganz unterschiedlichen Lebensabschnitten geschehen aber sehr oft dann, wenn du das Leben selbst in Frage stellst und dir deines Platzes darin nicht mehr sicher bist. Du identifizierst dich vielleicht so sehr mit deinen Rollen die du im Alltag zu erfüllen hast, ob du nun Mutter, Vater, Freund, Angestellter, Doktor, Arbeitsloser oder Millionär bist, das dir gar nicht in den Sinn kommt, dass das alles nur Masken, Titel und Etiketten sind, die aber niemals das tiefe Wesen dessen erfassen, wer du wirklich bist.
Wer bist du denn, wenn das alles wegfällt, wenn deine bisherige Definition von dir selbst, die du an deinen Masken festgemacht hast, keinen Bestand mehr hat und durch unvorhersehbare Lebensereignisse wegfällt? Dann stehst du nackt, voller Scham, psychisch entkleidet vor dem Leben, und bist so unsicher und ängstlich, wie ein Kind das die Geborgenheit und Sicherheit seiner Eltern sucht.
Wir verschwenden unheimlich viel Lebensenergie dafür, unseren Rollen und Masken, die uns in der Gesellschaft definieren, aufrecht zu erhalten und verkennen damit das, was uns wirklich ausmacht. Vielleicht liest du hunderte von Büchern, besuchst Seminare, Weiterbildungen, Ausbildungen und machst dich zu einem schlauen Kerlchen, zu einem Workaholic, zu einem Macher, zu einem was auch immer. Doch dich selbst wirst du dabei nicht finden. Wenn du für dich schon viele finanzielle, sportliche, wirtschaftliche oder andere persönliche Erfolge einstreichen konntest, wirst du sehr schnell bemerkt haben, das die Erfolgsgefühle eher wie Strohfeuer sind. Sie dringen nie tief genug vor, um zu deinem wahren Wesen zu gelangen. Sie lodern kurz auf und lassen dich dann zum Kernwert deiner Grundstimmung zurückkehren.
Bei allem was du tust, suchst du nach einem Gefühl das dich erfüllt. Doch dabei ist die Richtung entscheidend, aus der dieses Gefühl kommt. Wie du vielleicht erahnen kannst, passiert das niemals von außen nach innen, sondern wird in dir geboren und muss sich seinen Weg nach außen suchen. Deine Aufgabe ist es, lediglich alle Barrieren und Mauern aus dem Weg zu schaffen, damit das Leben in dich eindringen kann, um jede Faser deines Seins zu benetzen damit dieses Gefühl wachsen kann. Die Frage die du dir vielleicht stellst ist, „Wie soll ich das anstellen?“
Bring deinen Verstand zum Schweigen und gib dich hin. Bei vielen großen Lehrern unserer Zeit sind die tiefsten Einsichten aus einem Zustand der absoluten Verzweiflung, aus einem kollabieren des Verstandes hervorgegangen. Ihr rational denkender Geist, ihr „Mind“, war so erschöpft und müde, das das Ego zusammenbrach und Platz machte für die Begegnung mit dem, was sich die ganze Zeit im Inneren verbarg. Michael Beckwith, der selbst in jungen Jahren ähnliche Erfahrungen machte, sagt, dass es immer zwei Wege gibt, um diese Erfahrung zu machen und zu diesen Einsichten zu kommen - Kensho oder Satori.
Kensho bezeichnet die Erfahrungen, Fehler, Krankheiten und negativen Lebenssituationen mit denen uns das Leben immer wieder darauf hinweist, dass wir in die falsche Richtung laufen und nicht den Plan unserer Seele folgen. Satori ist die tiefe Einsicht durch Meditation und eine tiefe Reflexion über das eigene Leben und seinen Gesetzmäßigkeiten.
Ersteres geht oft aus vielen großen und kleinen Entscheidungen hervor die wir alleine mit dem Verstand treffen. Denn was du aus dem Verstand heraus entscheidest, und für dich vielleicht logisch klingt, muss nicht das sein, was für dich am besten ist. Das merkst du daran, dass du dich trotzdem nicht wohl dabei fühlst, obwohl alles gut und richtig zu sein scheint. Deine Seele, dein wahres Selbst, das Universum ist nicht logisch. Logik ist eine Täuschung des Verstandes. Dein Verstand ist ein guter Diener aber ein miserabler Meister. Wenn du das Leben verstehen und dich selbst finden willst, musst du lernen mit deinem Herzen zu „hören“. Und dabei geht es nie um Worte.
Sadhguru sagte, dass Spiritualität nichts mit der Atmosphäre zu tun hat, in der wir im Äußeren leben, sondern mit der Atmosphäre die wir in uns selbst erzeugen. Und um diese Gedanken weiter zu führen … diese innere Atmosphäre ist der Grundton unserer äußeren Erfahrungen.
Es gibt eine universelle Wahrheit die jeder zu 100% in seinem Leben bestätigen kann, wenn er sich selbst mal reflektiert. Das was du in deinem Leben erfährst und was dich umgibt, ist das Resultat deiner inneren Welt, dessen was du bist. Es ist nicht was du denkst, sondern viel mehr das, was du zu sein glaubst. Und wer sich die Mühe macht, zu erfahren wer er wirklich ist und sich zuerst darum kümmert, dem steht der Weg frei, sich das Leben zu erschaffen was er als erfüllend empfinden wird. Erschaffst du aus einer oberflächlichen Perspektive deiner Persönlichkeit, werden deine Schatten, die Teile von dir selbst, die du verdrängst, versteckst und verachtest, immer ihre Finger mit im Spiel haben und dich und dein Leben sabotieren, bist du ihnen Aufmerksamkeit schenkst und sie als zu dir gehörend liebst, akzeptierst und integrierst.
Engelchen und Teufelchen auf deinen Schultern streiten sich vielleicht sehr oft, aber im Grunde genommen bekommt der eine seine Daseinsberechtigung nur durch den anderen. Und beide zusammen lassen uns ganz menschliche Erfahrungen machen.
Und so wie du bei dir ankommst, wenn alles gut für dich läuft, so kannst du dich auch wieder von dir selbst entfernen. Dieser Prozess, wenn man das überhaupt so nennen kann, ist niemals abgeschlossen. Du musst deinen Garten immer wieder pflegen und das Unkraut fern halten. Du musst wach und achtsam sein und dich immer wieder in den Moment zurückholen, dich an ihm hingeben und genießen mein Freund… genießen!!! Im Grunde genommen ist es ganz einfach zu verstehen. Das was du genau JETZT tust, ist der Same für den nächsten Moment und so weiter… und so weiter. Und welchen Samen du in den Boden deines Lebens wirfst, entscheidet was daraus erwächst.
Bei allem musst du verstehen, dass Angst auf deinem Weg zu dir selbst der schlechteste Ratgeber ist. Dein tiefstes Wesen, deine Seele hat Angst vor einem der mächtigsten Gefühle überhaupt, weil nichts tiefer in sie eindringt und nichts sie mehr dazu bewegt, sich völlig hinzugeben und die Kontrolle abzugeben. Und vielleicht ist es so schwer zu sich selbst zu finden, weil die Angst vor dieser gewaltigen Kraft, vor diesem überwältigenden Gefühl so stark ist. Wenn du zu dir selbst vordringst, wirst du unweigerlich damit konfrontiert und wenn du mutig genug bist, dich ihm zu stellen, wird es dein Verhältnis zu dir selbst, zum Leben, zu Allem verändern.