Das wichtigste Gespräch das du jemals führen wirst
Ich will dich zu einem kleinen Experiment einladen. Stell dir vor, du hast einen besten Freund, der vor der größten Veränderung, dem wahrscheinlich größten Schritt in seinen Leben steht. Was würdest du zu ihm sagen? Auf welche Art würdest du mit ihm reden? Würdest du dich für ihn freuen? Wie würdest du ihn ermutigen dranzubleiben und nicht aufzugeben, sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren?
Wie sieht´s mit dir aus? Gibt es bei dir vielleicht auch so einen Schritt, den du nie gewagt hast, weil du dachtest, das du nicht gut genug bist? Bist du auf Ablehnung gestoßen, als du mit jemanden darüber reden wolltest? Hielten dich deine Selbstzweifel davon ab, es einfach zu machen? Fährst du immer noch mit angezogener Handbremse durch dein Leben, weil es da jemanden in deinem Kopf gibt, der dich permanent zweifeln lässt? Und jetzt sei mal ehrlich zu dir. Sprichst du in diesem Fall, mit dir selbst genauso, wie mit deinem besten Freund?
Das wichtigste Gespräch in deinem Leben ist aber nicht das, mit deinem besten Freund, deinem Partner, deinem Mentor oder deinem Kind.
Das wichtigste Gespräch, das du jemals führen wirst, ist das, das du täglich mit dir selbst führst.
Beobachte einen Tag lang deine inneren Selbstgespräche. Sieh dir genau an, was sie mit dir machen. Wie du dich dadurch fühlst, wie du die Welt um dich herum wahrnimmst, welche Auswirkungen sie auf deine Handlungen haben, welche Erfahrungen du im Kopf vorwegnimmst, wie du dich vergleichst, deine Mitmenschen beurteilst und wie du dadurch deine erlebte Realität kreierst.
Von allen möglichen Interpretationen von dem, was wir in unserer Außenwelt erfahren, wählen wir sehr oft (unbewusst) die Schlechteste, weil unser Verstand in seiner unbewussten Funktion seiner primitivsten und wichtigsten Aufgabe nachgeht, nämlich unser Überleben zu gewährleisten. Dabei vergleicht er vergangene Erfahrungen mit dem aktuellen Geschehen. Und so sehen wir die Dinge sehr oft nicht so wie sie sind, sondern wie wir aufgrund unserer Erfahrungen sind.
Wir projizieren unentwegt unsere Innenwelt nach außen. Wenn deine innere Stimme allein die Stimme deines Verstandes ist, wird sie dich immer in dem bekräftigen und begründen, wie du dich gerade fühlst. Es ist wie auf Schienen fahren. Die Richtung ist vorgegeben. Es gibt keine andere Möglichkeit. Und da das Leben immer vorwärts passiert, gibt es nicht mal ein Zurück. Du kannst nur die Schienen die hinter dir liegen, vor dir hinlegen, sodass du auf den Gleisen deiner Vergangenheit durch deine Zukunft fährst.
Doch wenn du still wirst, dir Zeit nimmst und deinen getriebenen Verstand mal zur Ruhe bringst, dann wirst du ganz oft ein Flüstern aus dem Bereich unterhalb deiner Brust wahrnehmen. Dieses Flüstern spricht in einem Gefühl, einer Intuition zu dir. Und wenn du lernst, deinen Verstand als dein Werkzeug zu gebrauchen, dann wird er diesem Flüstern aktiv zuhören, ohne zu kommentieren, ohne Urteil und ohne zu bewerten. Er wird zu einem Zuhörer der die Weisheit, die er empfängt, in die richtigen Worte kleidet. Worte, die eine inspirierende Wirkung auf dich haben werden und dich dazu ermutigen, deinem eigenen Weg zu folgen. Wenn du diese Kommunikation, diese Verbindung in dir aufrechterhalten kannst, wird sich das auf das Plappern in deinem Kopf auswirken. Es kriegt eine Richtung. Es wird gehaltvoll und bekommt einen tieferen Sinn. Es richtet dich aus und bekräftigt dich. Und das gibt dir das Gefühl von Ganzheit.
Diese innere Ausrichtung deiner Selbstgespräche wird einen enormen Einfluss auf die Entfaltung deines Potenzials haben. Wenn du Sport treibst, dann kennst du das sicher. Bei großer Anstrengung und großer Herausforderung hängt deine Leistung sehr oft damit zusammen, wie du innerlich mit dir selbst kommunizierst. Die Psychologie des Trainings ist die Art, wie wir mit uns selbst kommunizieren. In Seminaren erzähle ich sehr oft von Angela Cavallo, einer ganz normalen Frau, die im Jahr 1982 einen 64er Chevy Impalla, der eine Stützlast von 400 kg auf einem Rad hatte, mit ihren eigenen Händen anhob. Ihr Sohn Tony schraubte an diesem Tag an seinem Chevy, als der Wagenheber zusammenbrach und er unter dem Auto eingeklemmt wurde. Tony war sofort bewusstlos. Angela Cavallo kam ihrem Sohn zur Hilfe und hob das Auto an dieser Seite hoch, solange bis die Nachbarn kamen, um ihr zu helfen. Sie sagte danach, dass sie unablässig ein Gebet aus ihrem Herzen heraus sprach, dass sie die Kraft habe ihrem Jungen zu helfen. Rein physiologisch unmöglich. Doch zum Trotz aller wissenschaftlichen Begründungen, warum das nicht geht, machte sie es einfach und ermächtigte sich selbst dazu das Außergewöhnliche zu tun, indem sie sich diese unglaubliche Kraft zusprach. Frau Cavallo ist bei Weitem kein Einzelfall.
Wir können jeden Schmerz verstärken, indem wir uns immer wieder selbst sagen wie sehr es doch weh tut. Wir können uns aber auch zu außergewöhnlichen Dingen ermächtigen, nicht nur im Sport, sondern in jedem Bereich unseres Lebens. Jede Heilung, jede Leistung, jeder große Schritt im Leben eines Menschen, wird durch eine große Kraft aufgeladen, wenn die Gespräche, die derjenige mit sich selbst führt, durch die Einheit von Kopf und Herz, positiv und ermächtigend sind.
Sprache ist ein mächtiges Instrument in dieser Welt, um Menschen zu schwächen oder zu außergewöhnlichen Dingen zu ermächtigen. Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Sorge dafür, dass die Gespräche die du mit dir selbst führst, in Selbstliebe getränkt, ermächtigend, aufmunternd und bekräftigend sind.