LEBEN
Klar und wach durch sein Leben zu gehen, die niemals wiederkehrenden Momente zu zelebrieren und nicht getrieben zu werden, vom unablässigen Strom innerer und äußerer Impulse, ist wohl heute eine exotische Fähigkeit, die nur den Wenigsten vergönnt ist. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus, werden es aber zunehmend mehr Menschen, die sich über ihr endliches Dasein schon mal den einen oder anderen Gedanken machen. Oft kommt dieser innere Ruf nicht durch einen lauten Knall, sondern eher durch eine zunehmende Unzufriedenheit in den alltäglichen Dingen. Dennoch bleibt es für die Meisten schwer definierbar und das treibt dann auch nicht Wenige in eine übertriebene Geschäftigkeit, womit sie sich psychische Leitplanken bauen, damit ihr Fühlen im Spektrum ihrer Gewohnheiten bleibt.
Und wenn du dich jetzt angesprochen fühlst, dann frage ich dich: Wovor hast du Angst? Das du mit der ungewohnt heftigen Lebensfreude, die in dir eingeschlossen ist, nicht klarkommen oder du ohne Grund glücklich sein könntest? Für Glück braucht es keinen Grund. Das du leben darfst ist Grund genug. Die schönsten Dinge sind mit Worten schwer zu beschreiben. Sprache kann nur umschreiben und grenzt somit auch schon wieder ein. Doch Dinge und Ereignisse nicht erklären zu können und das Gefühl von Grenzenlosigkeit sind 2 Dinge, mit denen dein Verstand keinen Frieden schließen kann. Sie können nur aus der pulsierenden Weisheit in deiner Brust gelebt und verstanden werden.
Wir sind viel zu oft zu verkopft und Zeitreisende in unserem Gedankenstrom. Vergangenheit und Zukunft interessieren uns mehr als unser, im Hier und Jetzt stattfindendes Leben.
Doch ab und an wird es dem Leben in dir zu eng, und es sorgt für Grenzüberschreitungen … nämlich dann, wenn du mal zulässt, dich für den Bruchteil einer Sekunde dem Moment völlig hinzugeben, nicht an morgen zu denken oder an deine Geschichte, warum es dir eigentlich nicht gut gehen darf. Oft auch dann, wenn du aus der Erschöpfung heraus einfach alles loslassen musst.
Dein Leben spricht durch jeden Menschen, dem du begegnest zu dir, durch den Wind der über deine Haut streift, durch die Schönheit eines Sonnenuntergangs, den Duft einer Blume, durch das Lächeln eines Kindes, durch die Weisheit eines alten Menschen, durch das Genießen eines Glas Weins, die Regentropfen eines Sommerregens, die über dein Gesicht gleiten und auch durch die Probleme und Herausforderungen die dir in deinem Alltag begegnen. Es wird dich sanft anstupsen, an dir rütteln, dich umarmen oder dir kräftig in deinen Allerwertesten treten, bis du seinem Ruf folgst. Und dieser Ruf ist die Freude in deinem Leben. Folge ihr und den Dingen die dich zentrieren, dich öffnen und dich wach und bewusst sein lassen.
Wir haben Angst vor der Vergänglichkeit schöner Momente und meiden sie deshalb völlig, lassen uns lieber in der Trostlosigkeit der Alltagsroutinen versinken. Doch das Leben zeichnet sich doch gerade durch Polarität und Rhythmus aus. Wir hätten keinen Sonnenuntergang und keinen Sonnenaufgang wenn es die Nacht nicht geben würde und der Blick in die Sterne (das Bewusstmachen unserer Sehnsüchte) würde uns dann auch völlig verwehrt bleiben. Alles definiert sich erst in der scheinbaren Gegensätzlichkeit des Lebens.
Deine Angst vor den Banalitäten des Alltags ist im Angesicht deiner begrenzten Lebenszeit von ca. 28800 Tagen (wenn alles reibungslos verläuft) fast lächerlich. Ganz ehrlich … was haben wir schon zu verlieren, außer einem nicht gelebten Leben?
Alles was du in deinem Leben erschaffst und hinterlassen willst, ist nicht für die Ewigkeit und wird wie eine Sandburg irgendwann von den Wellen der Zeit weggespült. Darum gib diesen vergänglichen Dingen nicht zu viel Bedeutung, sondern besinne dich auf das Kreieren von Momenten die deine Seele berühren, denn das was für sie wirklich zählt, ist nicht irgendein Ziel am Ende deines Weges sondern wie bewusst du jeden Moment darauf beschreitest, wie sehr du jeden einzelnen Augenblick deiner Reise auskostest.
Hab keine Angst davor, dich sichtbar zu machen und aus der grauen Masse herauszuragen, denn die wenigsten Menschen sehen dich wirklich, auch wenn sie dich anschauen. Lass mal dein Herz für ne Weile das Steuer übernehmen und schau was geschieht. Es ist, als wenn jemand einen Eimer Farbe in das Grau deines Lebens schüttet. Und wenn du Platz machst, und dein Leben mal machen lässt, wird das auch ganz von allein, deine Wunden versorgen und heilen.
Dein Leben hält dir den Spiegel vor, durch alle Begebenheiten und Situationen die du erleben darfst, bist du erkennst, das ALLES mit dir zu tun hat und in dir seinen Anfang nimmt, auch das Glück und die Freude.